Begegnung in ungewöhnlichen Zeiten

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Hier der Text noch einmal zum Nachlesen:

Liebe Hörerin, lieber Hörer,

plötzlich ist es wieder da. Ich schaue von meiner Gartenarbeit auf und sehe wie es mit kleinen kurzen Sprüngen immer näherkommt. Dabei pickt es mal hier, mal dort. Pfeilschnell findet es für mich kaum sichtbare kleine Insekten und Würmer in der frisch aufgebrochenen Erde. Ich halte inne, lasse die Harke sinken und beobachte den kleinen Vogel. Das Rotkehlchen besucht mich oft bei der Gartenarbeit. Inzwischen ist es richtig zutraulich geworden und traut sich bis auf 30 Zentimeter an mich heran. Eine ganze Zeit hüpft es um mich herum – dann fliegt es ein paar Meter weiter, um mich aus gebührendem Abstand bei meinem Tun im Garten zu beobachten. So begegnen wir uns einig Male an diesem Nachmittag.

Zeit für Begegnung – in einer Zeit, wo persönliche Kontakte von Angesicht zu Angesicht von höchster Stelle stark eingeschränkt, ja verboten sind.

Und dennoch oder gerade deswegen: Das Telefon klingelt öfter in diesen Tagen. Freunde, alte Bekannte rufen an. Von manchen hatte ich lange nichts mehr gehört. Nun, da viele Dinge nicht möglich sind, die früher unseren eher hektischen Alltag bestimmt haben, ist Zeit um miteinander zu reden. Wir tauschen uns aus. Hören wie das Leben des anderen sich entwickelt und verändert hat. So können wir teilhaben an Freude und Leid des anderen, erfahren was ihn bewegt und sein Leben bestimmt. Dabei schauen wir ganz unwillkürlich über den Horizont unseres eigenen Lebens hinaus, sehen uns in anderen, neuen Bezügen und in Gemeinschaft mit Menschen, auch wenn wir räumlich weit getrennt sein mögen.

Zeit für Begegnungen ….

Vielleicht ist ja nun auch Zeit, um mich – viel bewusster als vielleicht sonst im Alltag möglich – auf eine Begegnung mit Gott einzulassen.

In einer bewegten, vielleicht auch verunsichernden Zeit mag es gut sein, zur Ruhe zu kommen und sich gelassen und getrost Gott anzuvertrauen: Auch dem Beter unseres Wochenpsalms für den vor uns liegenden fünften Sonntag in der Passionszeit Judika, scheint dies zu gelingen.

Er schreibt in Psalm 43 im 5. Vers:

Was betrübst du dich meine Seele und bist so unruhig in mir. Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Für mich klingt hier viel von dem großen „Dennoch“ heraus, dem wir in der Bibel direkt und indirekt immer wieder begegnen. Menschen werden

geprüft, ihr Glaube und Gottvertrauen wird auf eine harte Probe gestellt. (so auch in der, diesem Sonntag zugeordneten alttestamentlichen Lesung aus dem 22. Kapitel des 1. Buch Mose) aber nach durchgestandenen Zweifeln und Anfechtungen wissen diese Menschen sich umso mehr von Gott angenommen und getragen.

Genau diese Erfahrung wünsche ich Ihnen für die vor uns liegende Zeit auch. Bleiben sie behütet und in Gott geborgen.

Ihr Pfarrer Hansgerd Mertzen

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